30.05.2018

Fortsetzung der Tarifverhandlungen führt erneut zu keiner Einigung

IG BAU fordert von der Arbeitgeberseite die Annahme einer freiwilligen Schlichtung innerhalb von 14 Tagen und droht mit Zerwürfnis

Nachdem die Tarifverhandlungen im letzten Jahr nach dritter Runde mangels Einigung ergebnislos abgebrochen wurden, konnte in der ersten Jahreshälfte zunächst doch noch eine gemeinsame Verständigung der Tarifparteien auf einen Mindestlohn-Anschlusstarif in Höhe von 11,35 € ab 1. Mai 2018 erzielt werden. In diesem Zusammenhang war auch vereinbart worden, die Tarifverhandlungen über den Tariflohn und die Ausbildungsvergütung erneut aufzunehmen.

Am 29. Mai 2018 kamen die Tarifparteien daher nun wieder zusammen, um über den Abschluss eines Lohntarifes zu verhandeln. Zu Beginn der Verhandlungsrunde wiederholte die IG BAUEN AGRAR UMWELT (IG BAU) erneut ihre Lohnforderung aus den Verhandlungen des letzten Jahres in Höhe von 1 € auf den Stundenlohn eines Facharbeiters, was einer Steigerung des Ecklohnes um 6,3 % entspricht. Aus der letzten Verhandlungsrunde stand bereits ein Angebot von Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau von 3 % im Raum ebenso wie das Angebot, die Ausbildungsvergütung deutlich anzuheben. Dies hatte der Gewerkschaft im letzten Jahr jedoch nicht gereicht, unter anderem auch mit dem Argument, dass die Verweigerung der Arbeitgeberseite, einen Facharbeiter-Mindestlohn einzuführen, mit einem besonders hohen Angebot im Lohnbereich auszugleichen sei.

In den Verhandlungen gestern argumentierte die IG BAU nun insbesondere mit der allgemein sehr guten Auftragslage im Bau, die sich auch im Gerüstbau zeige. Dazu verwies die IG BAU auf ein Umsatzplus im Gerüstbau in Sachsen-Anhalt von 5,1 %. Vor diesem Hintergrund forderte die IG BAU daher weiterhin eine Lohnsteigerung von 5,5 % auf 18 Monate und zusätzlich 70,00 Euro pro Monat für Mitglieder der IG BAU für die entgangene Lohnsteigerung der letzten 10 Monate, also 700,00 €. Die Auszubildendenvergütung war aus Sicht der IG BAU eigentlich gar kein Verhandlungserfordernis, da die Arbeitgeberseite hier sowieso bereit sei, im eigenen Interesse viel zu geben, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Über diese würde man daher erst an dritter Stelle sprechen und mindestens 150,00 € fordern.

Die Tarifkommission von Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau machte deutlich, dass die Situation in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich sei und der Gerüstbau – trotz der allgemein guten Auftragslage im Bau – leider immer noch im unteren Preissegment kämpfe; die gestiegenen Kosten (insbesondere auch des letzten hohen Tarifabschlusses von bis zu 9,2% Lohnsteigerungen) und erforderlichen Investitionen können nicht in ausreichendem Maße gegenüber der Auftraggeberseite durchgesetzt werden. Um eine Tarifeinigung dennoch zu ermöglichen, bewegten Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau sich erneut und erweiterten ihr Angebot gestern wie folgt:

·         Lohnsteigerung von 3,6 % für 24 Monate in zwei Stufen:

o     2,1 % ab 01.05.2018 und

o    weitere 1,5 % ab 01.05.2019

·         Steigerung der Auszubildendenvergütung um 150,00 € im Monat pro Ausbildungsjahr

Unaufgefordert machten Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau auch ein Angebot zum Anschluss des Mindestlohn-Tarifvertrages ab 01.05.2019 für dann weitere zwölf Monate in Höhe von weiteren 35 Cent, einer Steigerung somit dann ab Mai 2019 auf 11,70 €.

Ohne weitere Verhandlungsmöglichkeiten auszuloten, brüskierte sich die Gewerkschaft über das aus ihrer Sicht unverschämte Angebot. Sie war der Meinung, durch die Ablehnung der „Prämie“ für die Gewerkschaftsmitglieder sei die Lohnsteigerung zusätzlich auf die vergangenen 10 Monate zu verteilen und liege daher mit 1,3 % unterhalb der Inflationsrate. Sie forderte Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau daher unmittelbar zu einer freiwilligen Schlichtung auf. Vor dem Eindruck des aktuell vorliegenden Schlichtungsergebnisses des Bauhauptgewerbes mit unter anderem 5,7 % Lohnsteigerungen lehnten Bundesinnung und Bundesverband ab. Die Mitglieder der Tarifkommission der Arbeitgeberseite machten deutlich, dass sie die Verhandlungen nicht mehr als echte Verhandlungen empfinden. Während in der Verhandlungsrunde im letzten Jahr seitens der Gewerkschaft immer nur über die Einführung eines Facharbeiter-Mindestlohnes diskutiert worden war, wurde hier nun bei der ersten echten Lohnverhandlung fast reflexartig schnell nach einer Schlichtung gerufen.

Die IG BAU setzte daraufhin eine 14-tägige Frist, in der die Arbeitgeberseite das Schlichtungsangebot annehmen könne. Wenn Sie dies jedoch ablehne, drohten die Vertreter der IG BAU der Arbeitgeberseite mit einer Tarifzäsur und strukturellen Änderungen durch eine Spaltung der Branche.

Insbesondere vor dem Hintergrund des umfassenden und großzügigen letzten Tarifabschlusses zeigten sich die Vertreter von Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau enttäuscht über den fehlenden echten Verhandlungswillen auf Gewerkschaftsseite.

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ass

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