Das Gerüstbauer-Handwerk in Zeiten der Corona-Krise

Derzeit sind die meisten Gerüstbaubetriebe in erster Linie damit beschäftigt, trotz erhöhter Schutzauflagen die vorhandenen Aufträge zu erfüllen, Kurzarbeit für die Arbeitnehmer zu vermeiden und den Lebensunterhalt der Mitarbeiter weiter sicherzustellen. Viele Betriebe sind froh, weiter arbeiten zu können – doch ist die Krise in den Auftragsbüchern deutlich spürbar. Größtenteils werden noch die vor Corona vergebenen Aufträge abgearbeitet. Während die Auftragslage im Industriebereich schon deutlich spürbar zurückgeht, teils wegen Verschiebungen aber auch aufgrund von Stornierungen, ist die Lage im Fassadengerüstbau noch überwiegend stabil. Doch auch hier gibt es Rückgänge bei den Aufträgen. Wie die Lage ab Herbst/Winter 2020 aussieht, hängt wesentlich davon ab, wie Bund und Länder durch zielgerichtete Nachfrage- und Investitionsimpulse die Wirtschaft stärken. Es ist zu befürchten, dass Bund, Länder und Kommunen wie auch der private Bauherr in und nach der Krise wenig investieren. Entscheidend ist, dass auch zukünftig Aufträge durch die öffentliche Hand vergeben werden und den Unternehmern Planungssicherheit gegeben wird.

Nun kommen am 22. Juni 2020 die Tarifkommissionen von IG BAU und Bundesinnung/Bundesverband Gerüstbau zur Verhandlung über Mindestlohn, Lohn und Ausbildungsvergütung zusammen. Zu erwarten ist, dass die Branchenlage auf beiden Seiten sehr unterschiedlich ausgelegt wird und entsprechend auch die Vorstellungen über die Tarifentwicklung auseinander klaffen werden. Aktuell geht es der Gerüstbaubranche gut, doch ob dieses Jahr derselbe Umsatz erwirtschaftet werden kann wie im vergangenen, was inflationsbedingt einem Minus von drei Prozent entsprechen würde, bleibt abzuwarten. Die Umsätze könnten auch schwächer ausfallen. In dieser Situation, ohne Berücksichtigung der auf Deutschland zukommenden Rezession hohe Lohnforderungen zu stellen, würde von wenig Sensibilität für die aktuelle Krisenlage zeugen.

Schon im Vorfeld dieser Tarifrunde entstanden Dissonanzen zwischen den Verhandlungspartnern. Die ursprünglich für Anfang Mai geplante erste Sitzung musste aus Gründen der Kontaktbeschränkungen zum Infektionsschutz abgesagt werden. Daraufhin unterstellte die IG BAU der Arbeitgeberseite in einer Pressemitteilung, nicht verhandlungsbereit zu sein und zu taktieren. Diese Vorwürfe erschienen wie reine Propaganda, die Arbeitgeber im Gerüstbauer-Handwerk in ein negatives Licht zu rücken.

 

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