Kurzer Schulweg: Übergabefeier für neues Schülergästehaus in Groß-Gerau
Nach gut einjähriger Bauzeit war es Mitte November so weit: Die Sozialkasse des Gerüstbaugewerbes (Soka) lud als Bauherr zur Übergabe des neuen Schülergästehauses für Gerüstbau-Azubis in Groß-Gerau ein.
Zukünftig werden es keine 100 Meter sein, die die angehenden Gerüstbauer von ihrer Unterkunft direkt neben dem Groß-Gerauer Wasserturm bis zu ihrem Klassenzimmer zurücklegen müssen. Dennoch überreichte Landrat Thomas Will eine Wanduhr als Gastgeschenk – damit die Azubis auf jeden Fall rechtzeitig das Frühstück beenden, um pünktlich zu Unterrichtsbeginn im Klassenzimmer zu erscheinen.
Zahlreiche Gäste waren zu der Übergabefeier gekommen, darunter viele am Bau Beteiligte, Leitung und Lehrer der Beruflichen Schulen Groß-Gerau, Repräsentanten der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, Vertreter von Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau sowie der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). „Wir danken dem Kreis Groß-Gerau, dass er uns das Grundstück in Erbpacht überlassen hat“, betonte Soka-Vorstand Stefan Häusele. „Wir konnten hier ein Gebäude errichten, dass 124 Betten in 55 Gästezimmern und die notwendigen Verwaltungs-, Funktions- und Freizeiträume bietet.“
Landrat Will brachte in seinem Grußwort seine Freude darüber zum Ausdruck, dass nach etlichen Anläufen endlich eine zukunftsfähige Unterbringung für die Gerüstbau-Azubis realisiert werden konnte: „Mit dem AVM, dem Ausbildungsverbund für Rüsselheim und Groß-Gerau, hat die Sozialkasse einen professionellen Betreiber für den Betrieb des Gästehauses gefunden. Die wissen, wie man mit Jugendlichen arbeitet.“
Jörg Rüddenklau, Bürgermeister der Kreisstadt Groß-Gerau, ergänzt, dass die Stadt stolz darauf ist, die Bundesfachklassen aus allen südwestlichen Bundesländern zu beschulen und nun auch eine zukunftsfähige Beherbergung zu bieten.
Weitere Grußworte folgten von den Trägern der Soka: Marcus Nachbauer, Bundesinnungsmeister und Präsident des Bundesverband Gerüstbau, betonte, wie wichtig gute Rahmenbedingungen für die Gewinnung von Auszubildenden und für einen erfolgreichen Berufsabschluss sind. Gleichzeitig kritisierte er, dass es an öffentlicher Förderung für Unterbringungen vonseiten des Bundes fehlt. Betroffen seien hier nicht nur der Gerüstbau, sondern über 250 Berufe, die in Bundesfachklassen unterrichtet werden.
Dankesworte überbrachte Dieter Wasilewski, Abteilungsleiter bei der IG BAU: „Dass dieses Gebäude entstehen konnte, verdanken wir dem Kreis, der das Grundstück zur Verfügung stellt. Aber wir verdanken es auch der Existenz einer gemeinsamen Einrichtung der Tarifvertragsparteien, der Sozialkasse, die mit einem von allen Gerüstbauunternehmen getragenen Umlagesystem finanziert wird. Nur dadurch konnten die Kosten des Neubaus getragen werden.“ Dieses in der Bauwirtschaft etablierte System wünschte sich Wasilewski auch in anderen Wirtschaftsbereichen.
Nach den Reden konnten sich die Gäste in einer Führung einen Überblick über das Gebäude verschaffen. Dabei wurde erkennbar, dass noch einige kleinere Arbeiten zu erledigen sind. Ziel ist es, diese in den nächsten Wochen zu beenden, sodass die ersten Azubis im Januar 2026 im Schülergästehaus übernachten können. Landrat Will: „Dann kann planmäßig mit den Bauarbeiten am neuen Schulgebäude gestartet werden.“ Damit wird sich der Schulweg für die Gerüstbau-Azubis nochmals verkürzen.