Zeichen der Geschlossenheit: Die Bundesfachtagung 2026 in Düsseldorf

Ende April fand im Hilton Hotel in Düsseldorf die Bundesfachtagung Gerüstbau 2026 statt. Einmal mehr sendet die Branche ein eindrucksvolles Zeichen der Geschlossenheit und des Zusammenhalts, gerade auch in bewegten Zeiten.
Schon der erste Redner steckte den Rahmen ab: „Das wirtschaftliche Umfeld ist für das Handwerk aktuell echt schwierig“, betonte Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Düsseldorf, in seinem Grußwort. Schuld daran sei aber nicht allein die aktuelle geopolitische Lage: „Große Teile der Belastungen im Handwerk sind hausgemacht“, so Ehlert, der auch Präsident von Handwerk.NRW ist. Konkret nannte er den seit Jahren anhaltenden Reformstau sowie die große bürokratische Belastung. „Wir müssen ja nicht Formulare ausfüllen, weil die Straße von Hormus abgeriegelt ist.“
Lobende Worte fand der HWK-Präsident für das Gerüstbaugewerbe, das auch in dieser Krise ein Signal der Stärke setze. Insbesondere stellte er die Imagekampagne heraus, mit der Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau für den Ausbildungsberuf werben. „Ihr Slogan Steht zusammen, hält zusammen fasst all das zusammen, für das Sie als Branche stehen. Dafür möchte ich Ihnen ausdrücklich gratulieren“, so Ehlert.
Auch der zweite Gastredner zeigte sich begeistert vom Zusammenhalt in der Gerüstbaubranche. Kollegialität, Leistungsstärke und Schlagkraft bei zugleich schlanker und effizienter Struktur – so beschrieb Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), die Außenwirkung von Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau.
Diese Schlagkraft sei auch nötig in der aktuellen Krisenlage, in der die politische Arbeit der Verbände besonders wichtig sei. Was nicht zuletzt an der Regierung liege. Zwar lasse die Koalition Reformwillen spüren – aber vor allem auf dem Papier. „Diese Regierung liefert nicht. Stattdessen lässt sie fast täglich einen neuen Testballon steigen“, so Schwannecke.
Auch eine Ehrung nahm der ZDH-Generalsekretär in Düsseldorf vor: Für ihr langjähriges Wirken als Geschäftsführerin im Bundesverband Gerüstbau wurde Sabrina Luther mit dem Handwerkszeichen in Gold ausgezeichnet.
Weiter ging es dann mit den Ehrungen im Gerüstbaugewerbe: Zunächst erhielt Peter Kahl, ehemaliger langjähriger Leiter der überbetrieblichen Ausbildungsstätte „Bildungszentrum Hansemann“ in Dortmund die Ehrennadel von Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau.
Ebenfalls ausgezeichnet wurden Marie Sörgel, Marek Miguel Meinhardt, Marius Bauch und Sven Jörges als jahrgangsbeste Jungmeister in ihrem jeweiligen HWK-Bezirk sowie Malte Treichel als Bundessieger der Deutschen Meisterschaft im Gerüstbauer-Handwerk. Eine weitere Ehrung galt schließlich den Absolventinnen der Fortbildungsreihe „Fachfrau für das Gerüstbauer-Handwerk“.
Es folgten die ordentlichen Mitgliederversammlungen der Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk sowie des Bundesverbandes Gerüstbau e.V. mit den Berichten von Vorstand/Präsidium und Geschäftsführung zu den einzelnen Fachbereichen sowie den Haushaltsbeschlüssen. Hierbei kamen viele Themen zur Sprache, die die Gerüstbaubranche aktuell bewegen, darunter das Thema Umbau von Gerüsten, das neue tarifliche Sommerausfallgeld sowie die Fortführung der Imagekampagne zur Azubiwerbung. Auch der Vorsitzende der Sozialkasse des Gerüstbaugewerbes, Dr. Stefan Häusele, erstattete Bericht.
Marcus Nachbauer, Bundesinnungsmeister und Präsident des Bundesverbandes Gerüstbau, nahm in seiner Rede zu verschiedenen politischen Themen Stellung, die das Gerüstbaugewerbe unmittelbar betreffen. Hierzu zählt etwa das kürzlich beschlossene Bundestariftreuegesetz, dessen praktische Ausgestaltung – trotz grundsätzlich begrüßenswerter Zielsetzung – Gerüstbaubetriebe vor erhebliche Probleme stellen dürfte.
Als tragfähigen Kompromiss lobte Nachbauer das tags zuvor vom Bundestag verabschiedete Vergabebeschleunigungsgesetz, das Abweichungen von der Fach- und Teillosvergabe nun doch nur in einem eng gesteckten Rahmen zulässt. Ebenfalls zur Sprache brachte der Bundesinnungsmeister das Thema Bürokratieabbau am Beispiel eines neuen Gesetzes zur Abschaffung von Sicherheitsbeauftragten.
Fortgesetzt wurde die Tagung am Nachmittag mit dem Vortrag „Mensch 2035 – Wir Superhumans“. Der renommierte Zukunftsforscher und Buchautor Lukas Pierre Bessis zeigte hier auf, wohin der rasante technologische Fortschritt die Welt schon in wenigen Jahren führen könnte. Der allgemeinen Krisenstimmung setzte er hierbei eine Botschaft der Hoffnung entgegen: Dank der Technologie leben wir aktuell in einer viel besseren Welt als noch vor wenigen Jahrzehnten. Und diese Entwicklung wird sich in naher Zukunft noch weiter fortsetzen.
Zum anschließenden Festabend begaben sich die Teilnehmer in eine ganz besondere Event-Location: In der Classic Remise, einem ehemaligen Ringlokschuppen und heutigen Oldtimer-Eldorado, hatten die Teilnehmer viel Zeit zum Netzwerken und zum Austausch unter Kollegen.
Inhaltlich wurde die Tagung tags darauf mit dem traditionellen „Talk im Gerüst“ fortgesetzt, der diesmal dem Thema „Menschliche Verhaltensweisen im Kontext des Arbeitsschutzes“ gewidmet war. Psychologinnen und Psychologen, Coaches, Arbeitsschutzexperten und Gerüstbauer gingen dabei der Frage nach, warum Sicherheitsstandards – trotz aller Vorschriften und Regeln – oftmals so schwer durchzusetzen und wie Menschen hier zu einer Veränderung zu bewegen sind.
Einfache Rezepte, das machte die engagierte Diskussion klar, gibt es nicht. Aber es gibt Lösungsansätze, die mittelfristig zu einem Umdenken führen können. Hierzu dient vor allem die Erkenntnis, dass strafbewährte Vorschriften allein nicht zu einer Akzeptanz der Regeln führen. Viel wichtiger ist es, eine Kultur der Verantwortung zu schaffen, in der das Umsetzen von Sicherheitsvorschriften zur gelebten Selbstverständlichkeit wird.
Hier ist vor allem die Führungsebene gefragt, die genau diese Kultur vorleben und durch positive Bestärkung zu einer Veränderung von Einstellungen beitragen muss. Als Vorbild mag dabei die Feuerwehr dienen, bei der genau diese Kultur der Verantwortung und diese Identifikation mit der unerlässlichen Arbeitssicherheit herrscht.
Ihren Abschluss fand die Tagung mit einem gemeinsamen Ausflug zur mittelalterlichen Zollfeste in Zons am Rhein. Teilnehmer und Organisatoren zeigten sich begeistert von der inhaltsreichen Veranstaltung und dem Zusammenhalt in der Branche. Stellvertretend sei hier Frank Borchard, Leiter des Arbeitskreises Wirtschaft und Recht von Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau zitiert: „Für mich ist die Bundesfachtagung wie ein Familientreffen. Es ist großartig, was wir hier als Branche auf die Beine stellen und wie wir uns hier austauschen.“